Frauenwochenende 2018 in Kraichtal

Ein gutes Erbe

Es ist Mittwoch, 28. März 2018, die Frauenfreizeit ist nun seit knapp vier Tagen vorüber und ich kann immer noch nicht ganz fassen, was ich während diesen Tagen in Kraichtal erleben durfte. Mit meinen 22 Jahren war ich mit einigem Abstand die jüngste der vierzig Teilnehmerinnen, doch das tat nichts zur Sache. Ich fühlte mich vom ersten Moment in dieser Gruppe faszinierender Frauen total angenommen und wohl. Einmal mehr sah ich eines der Prinzipien im Reich Gottes bestätigt: Das Alter spielt bei Gott keine Rolle. Und sowieso: Jesus macht Jünger. Bei ihm sind wir angenommen, so wie wird sind. Darum ging es auch in den Gottesdiensten: „Annahme ist bei Gott mehr als ein Wort“, so unser Freizeitthema.

Am ersten Abend konnte ich nur staunen. Wow, diese Frauen sind zwischen 36 und 80 Jahren alt, viele von ihnen verheiratet, Mama, einige schon Oma, andere sogar Uroma. Wieder andere sind verwitwet, geschieden oder ihr Leben lang Single. Manche verbringen ihren Alltag als Hausfrau, andere in der Politik, in der Schule, in einem Büro und / oder sind sehr engagiert in der Gemeinde. Beim Essen, während der gemeinsamen Gebetszeit am Samstagnachmittag oder dem gemütlichen Beisammensein am Abend nach den Gottesdiensten konnte ich von der einen oder anderen Frau sehr Persönliches über ihr Leben erfahren. Sie vertrauten mir Teile ihrer Lebensgeschichte an, erzählten wie sie zum Glauben kamen, von den Freuden und Herausforderungen einer Mama, wie schwer es ist, den eigenen Mann zu verlieren und dann den Weg zurück ins Leben zu finden oder davon, dass sie manchmal das Gefühl hätten, nichts zu bewegen, sich dann aber dafür zu entscheiden Gottes Wort über ihrem Leben mehr zu glauben als ihren eigenen Selbstwahrnehmungen.

Wenn ich die gleichen Frauen dann während dem Gottesdienst beten hörte, sie im Lobpreis springen, klatschen, jubeln oder einfach nur ehrfürchtig oder voller Freude anbeten sah, konnte ich nur staunen. Es war ein tiefes, ehrfürchtiges, demütigendes Staunen. Während ich an meinem Platz saß oder stand nahm ich nicht nur die Gegenwart Gottes auf eine ganz besondere und einzigartige Art und Weise wahr, sondern war auch tief berührt von der Liebe, der Freiheit, dem Glauben, der Hingabe und dem Hunger nach Mehr von Jesus und dem Leben, das er ist und schenkt, den die Frauen mit sich brachten. Es fällt mir schwer in Worte zu fassen, aber ich hatte das Gefühl, als würde mir Gott seine Geheimwaffe zur Veränderung der Welt präsentieren: Frauen. Ganz normale Frauen. Ganz normale Frauen, die trotz Herausforderungen, trotz Krankheit, trotz Widerständen und Enttäuschung, nicht aufhören wollen, ihn zu lieben und anzubeten, die sich ganz auf ihn verlassen. „Was für eine Ehre hier zu sein“, schoss es mir durch den Kopf, „und was für ein Vorrecht für meine ganze Generation von diesen Frauen lernen zu können und ein geistliches Erbe zu erhalten.“ Denn auch wenn vieles im Leben dieser Frauen im Verborgenen geschieht und für die Augen vieler Menschen immer verborgen bleiben wird, Gott sieht es doch! Und er wird jeden guten Samen aufgehen lassen – zu seiner Zeit.

In einer Welt in der gut oft nicht gut genug ist, man ständig Gefahr läuft nach Perfektion zu streben und nach außen hin gerne nur den oder die Starke zu mokieren versucht, bin ich von der Ehrlichkeit und Verletzlichkeit einiger Frauen immer noch tief beeindruckt. Wie schön ist es im Leben und Glauben nicht alleine und auch nicht nur mit Gleichaltrigen unterwegs zu sein. Wir brauchen einander und wir können von unseren unterschiedlichen Lebensphasen und -erfahrungen so viel lernen und profitieren. Ich bin dankbar für meine erste Frauenfreizeit und denke, dass es nicht meine letzte war. Im Gegenteil: Die kommenden Termine habe ich schon notiert und so der HERR will und ich lebe, bin ich wieder am Start! Du auch?

Anna Epah

Gruppenfoto